BUND-Bürger(innen)antrag

Stadt Aachen
Der Oberbürgermeister
Fachbereich Verwaltungsleitung
Klärungsstelle
Datum: 21.Oktober 2011
Betrifft: Amphibienschutz Gut Entenpfuhl: Biotopvernetzung Wald/Laichgewässer
(Der Antrag wurde am 13. Dezember 2011 im Bürgerforum, in öffentlicher Sitzung behandelt.)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrter Herr Schultheis,
sehr geehrter Herr Dupont,


wir beantragen gemäß § 24 der Gemeindeordnung Nordrhein-Westfalen, dem Bürgerforum der Stadt Aachen den nachfolgenden Beschluss vorzuschlagen:

Das Bürgerforum empfiehlt der Stadtverwaltung, an Gut Entenpfuhl Maßnahmen zum dauerhaften Amphibienschutz fortzuführen.

Dies beinhaltet die Installation eines festen, dauerhaften Metallleitsystems, das zu den vorhandenen Tunneln hinführt, einschließlich des Einbaus von Stopprinnen, die an zwei Wegeeinmündungen verhindern, dass die Tiere auf die Straße und den Parkplatz laufen können.

Begründung und Beschreibung unserer Anregung:

Bei unserem Antrag geht es um die Artenvielfalt im Stadtwald im Bereich Gut Entenpfuhl und damit einem nachhaltigen Umgang mit dem wichtigsten Naherholungsgebiet der Stadt Aachen.

Der Arbeitskreis Naturschutz des BUND Aachen setzt sich seit mehr als 20 Jahren zusammen mit vielen freiwilligen ehrenamtlichen Helfern für den Erhalt einer möglichst vielfältigen Natur im Stadtgebiet Aachen ein in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Umwelt der Stadt.

Wir betreuen seit den 90er Jahren die Amphibienpopulationen, die als Indikatororganismen für eine vielfältige Fauna und damit einem funktionsfähigen Ökosystem Wald gelten können. Das Problem ist hier nicht eine vielbefahrene Straße, sondern dass die Tiere bei ihrer Frühjahrswanderung zu dem Laichgewässer am Gut Entenpfuhl in so großer Anzahl unterwegs sind, dass schon wenige Besucher auch bei rücksichtsvollem Verhalten mit ihrem Wagen eine erhebliche Anzahl an Tieren überfahren.

Ende der 90er Jahre stellten wir hierzu den Bürgerantrag, die Zufahrt an den wenigen Abenden, an denen aufgrund der Witterungsverhältnisse die große Masse der Tiere unterwegs ist, mit Hilfe einer Schranke zu versperren, was aus verkehstechnischen und wirtschaftlichen Gründen (Restaurant Entenpfuhl) nicht möglich war. Herr Dupont bemühte sich damals intensiv, eine Lösung zu finden. Seitdem wurden zum Ende des Winters temporäre Zäune vom Fachbereich Umwelt auf- und nach der Wanderung wieder abgebaut, es wurden eine Röhre vom Forstamt und ein professioneller Tunnel unter der Zufahrtsstraße installiert, ohne allerdings die dazu passenden, notwendigen festen Hinleitsysteme einzurichten. Stattdessen werden diese weiterhin jedes Frühjahr als mobile Zäune auf- und wieder abgebaut. Ohne diese Hinleitsysteme haben die vorhandenen Unterführungen eine stark eingeschränkte Effizienz, da nur die Tiere hindurchlaufen, die zufällig direkt auf den Tunneleingang zumarschieren. Der Rest läuft rechts und links vorbei auf die Straße.

Der BUND organisiert die Kontrolle und Leerung von Fangeimern, teilweise Anfang der Jahre 2000 auch mit Hilfe des Seniorenbeirates der Stadt Aachen, der, weil kein Ende dieser Arbeit abzusehen war, aber wieder aufgab. In die Eimer an den temporären Zäunen fallen die Tiere zum Schutz an den Stellen, an denen es keine Tunnel gibt. Sie werden von Helfern morgens und abends herausgenommen und über die Straße bzw. den Parkplatz getragen.

Nach zahlreichen Versuchen mit unterschiedlich langen Zäunen und Teilsperrungen des Parkplatzes in den letzten Jahren haben wir dieses Jahr (2011) mit freiwilligen Helfern die Hinleitungszäune wieder selbst auf- und abgebaut, da der Fachbereich Umwelt wegen personeller und finanzieller Engpässe nicht mehr dazu bereit ist. Er hält eine Bestandsgefährdung der Amphibien durch die Überfahrungsverluste nicht für gegeben, was aber eine bloße Vermutung ist. Es auszuprobieren, indem die Tiere überfahren werden, ist aber für den BUND nicht akzeptabel, da das Ergebnis nicht wieder umkehrbar ist. Der Fachbereich Umwelt ist damit aus einem bereits begonnenen gemeinsamen fachlichen Konzept ausgestiegen, obwohl es bereits einige Investionen von Seiten der Stadt (s. professioneller Tunnel) gab, die dadurch wirkungslos und unrentabel bleiben (s. Ausführungen oben). Temporäre Zäune stellen aber auf Dauer ein Problem dar, da sie störanfällig (wind- und schneeempfindlich und leicht beschädigbar), personalintensiv und nur befristet wirksam (Februar bis Mai) sind.

Wir haben langfristige Problemlösungen vorgeschlagen:

- Festes Metallleitsystem, damit die Tiere zu den eingerichteten Querungshilfen hingeleitet werden. Dieses dauerhafte Leitsystem hat auch den Vorteil, dass die Populationen, die auch zu anderen Jahreszeiten wandern (Sommer, Herbst), ganzjährig geschützt wären.

- Stopprinnen an den Wegeeinmündungen, in die die Tiere hineinfallen und zu den Querungseinrichtungen geleitet werden, damit auch die Tiere, die über die Wege anwandern, nicht auf den Parkplatz laufen können.

- Breiter Tunnel unter dem Parkplatz.

Alle diese baufortführendn Maßnahmen wurden abgelehnt.

Mobile Leitzäune, die wieder seitens der Stadt aufgebaut werden, könnten als Zwischenlösung bis zur Umsetzung der beschlossenen Baumaßnahmen dienen.

BUND-STADTGRUPPE AACHEN
im Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.
– Arbeitskreis Naturschutz –



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